Mein Bezug zu BETTINA EGGER

Die Zielsetzung des Begleiteten Malens dient aus Sicht von BETTINA EGGER in erster Linie dazu, der eigenen Persönlichkeit und Kreativität im Prozess des Malens auf die Spur zu kommen.

Mich überzeugt nachdrücklich vor allem wie BETTINA EGGER durch praktische Erfahrungen im geschützten Raum einen beseelten Weg der malerischen Spurensuche im Begleiteten Malen gefunden haben.

Fundamental wichtig erscheinen mir zwei Aspekte als Grundannahme, die ich bei BETTINA EGGER, der Weiterentwicklerin dieser Idee gleichermaßen finde. Zum Einen, dass kein „Empfänger“ mit Erwartungen auf das Resultat (das Bild) eines Malenden wartet, sondern jeder Malende unvorbelastet sich „etwas von der Seele malen“ (Bettina Egger) kann, und zum Anderen, dass die Malenden im geschützten Raum von der Malbegleiterin oder dem Malbegleiter begleitet (nicht geleitet) malen können. Die Geborgenheit des „geschützten Malortes“ kann sich auf den  Malprozess konstruktiv auswirken und die immer wiederkehrende gleiche Situation (ohne Störung von außen, auch geräusch- und blicktechnisch) unterstützt und begünstigt dieses Gefühl auf geeignete Weise.

Im Vordergrund steht die uneingeschränkte Forderung nach einem Ort, an dem die Malenden ungestört sind und fern vom Alltäglichen in Ruhe zu ureigenen archetypische Formen zurückkehren können.

Ich denke, es ist eine der größten Herausforderungen in einer schnelllebigen Zeit,  einen solchen Ort  (z.B. das Malatelier als gechützten Raum) zu finden und eine ruhige und wertfreie Atmosphäre entstehen zu lassen, in dem dieser Malprozess  angestoßen werden – und wachsen kann.

Das „Begleitete Malen“ beschreibt die Aufgabe der Malbegleiterin und des Malbegleiters im Wesentlichen als die einer Hebamme, die während des Entstehungsprozess des Bildes bei dessen Geburt behilflich sein kann.

Eine dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Haltung. Hierin erwächst eine große Chance für das Entstehen eines natürlichen Vertrauensverhältnisses zwischen Malendem und Malbegleiter liegt.

BETTINA EGGER unterteilt die Zielsetzung des Malens und dessen Wirkung in verschiedene Kategorien – in therapeutische Wirkung, Lockerung, Erholung, Erweckung der Kreativität, Förderung der persönlichen Ausdrucksfähigkeit, und sie betont, dass jeweils von Anfang an ein Ziel klar benannt werden muss. Je nach Situation des Malenden wird dies von Mal zu Mal ein anderes sein können. Diese Herangehensweise erscheint mir folgerichtig und nachvollziehbar.

Mir ist auch Bettina Eggers Auffassung sehr nahe, die besagt, dass der Prozess ebenso wichtig ist wie das Resultat (das Bild), das am Ende entstanden ist. Das fertige Bild erscheint mir wie das neu geborene Kind, das ohne den Prozess des Gebärens nicht das Licht der Welt erblickt hätte, aber dennoch bereits vorher „da“ war .

Ich sehe ebenso wie BETTINA EGGER eine Möglichkeit von Selbsthilfe durch die Auseinandersetzung mit – bzw. das  „Ausdrücken“ von eigenen Gefühlen durch die „Ausdrucksmalerei“.  Sie kann ein Mittel zur Selbsterfahrung, Erweiterung der eigenen Persönlichkeit und zur Entwicklung der Kreativität“ sein.

 Allerdings bleibt grundlegend unbedingt und immer zu beachten, dass keine Fragen oder Erklärungen zu den Bildern gestellt und abgegeben werden, wie auch BETTINA EGGER es in ihren eigenen Worten immer wieder betont. Und es bleibt auch fundamental wichtig, dass nicht über das Bild, sondern nur über sehr wesentliche Geschehnisse im Prozess (des Malens) mit wenigen (!) Worten gesprochen wird.           

An dieser Stelle bleibt  mir gleichzeitig die Mahnung von BETTINA EGGER im Bewusstein, dass der „letzte Schonraum der Seele zerstört wird“, wenn wir das „Schaffen von Bildern“ in das Gebiet der Therapie und Krankheit verschieben...      

Ein weiterer Hinweis zum Malprozess, über den ich immer wieder nachgedacht habe, fällt mir zu BETTINA EGGER ein. Sie vertritt die Auffassung, dass der Malende „jederzeit an seinem Bild etwas ändern kann“ und sie weist immer wieder darauf hin, dass dieser Aspekt beachtet werden sollte, um Sackgassen oder Erstarrungen am Bild zu lösen, wenn jemand zu hartnäckig beim Malen bemüht ist. Diesen Hinweis sehe ich als konstruktiv und hilfreich an, wenn jemand  nicht von alleine zu einer Lösung (im Bild) kommt und zu lange an einer Stelle verharrt. Das „Tun“ und das „Los-Lassen“ (Beispiel von Bettina Egger: Übermalen einer Schnur, die eine Ente zieht)  kann ein Handeln sein und beim Malen eine wesentliche Veränderung darstellen. Das Übermalen einer störenden Stelle kann für das Wachsen und Erwachsenwerden im Prozess des Malens sehr bedeutungsvoll und wichtig sein, davon bin ich überzeugt.

 Aus meiner Sicht bietet das AUSDRUCKSMALEN eine konstruktive Möglichkeit lösungsorientiert und dabei intuitiv wesentliche Selbsterfahrungen zu machen.

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