Mein Bezug zu ARNO STERN und BETTINA EGGER

Die Zielsetzung des Begleiteten Malens dient aus Sicht von ARNO STERN und BETTINA EGGER in erster Linie dazu, der eigenen Persönlichkeit und Kreativität im Prozess des Malens auf die Spur zu kommen.

Mich überzeugt nachdrücklich vor allem wie ARNO STERN und BETTINA EGGER durch praktische Erfahrungen im geschützten Raum einen beseelten Weg der malerischen Spurensuche im Begleiteten Malen gefunden haben.

Fundamental wichtig erscheinen mir zwei Aspekte als Grundannahme, die ich sowohl bei ARNO STERN, dem Vater der Idee des Begleiteten Malens wie auch bei BETTINA EGGER, der Weiterentwicklerin dieser Idee gleichermaßen finde. Zum Einen, dass kein „Empfänger“ mit Erwartungen auf das Resultat (das Bild) eines Malenden wartet, sondern jeder Malende unvorbelastet „ausfließen“ (Arno Stern) und sich „etwas von der Seele malen“ (Bettina Egger) kann, und zum Anderen, dass die Malenden im geschützten Raum von der Malbegleiterin oder dem Malbegleiter begleitet (nicht geleitet) malen können. Die Geborgenheit des „geschützten Malortes“ kann sich auf den  Malprozess konstruktiv auswirken und die immer wiederkehrende gleiche Situation (ohne Störung von außen, auch geräusch- und blicktechnisch) unterstützt und begünstigt dieses Gefühl auf geeignete Weise.

Im Vordergrund steht bei ARNO STERN die uneingeschränkte Forderung nach einem Ort, an dem die Malenden  „der Vernunft , zu der wir alle erzogen worden sind“, entsagen können, und er bietet in  seinem „geschützten Raum“ den Ort an, an dem „die Absonderung vom Alltäglichen als eine Äußerung“ möglich ist, eine Äußerung, die es vorher nicht gegeben hat (die tiefgreifende archetypische „Formulation“ ).

Ich denke, es ist eine der größten Herausforderungen in einer schnelllebigen Zeit,  einen solchen Ort  (z.B. den „Malort“) zu finden und eine geschützte Atmosphäre entstehen zu lassen, in dem dieser tiefgreifende Prozess  wie ARNO STERN ihn beschreibt, angestoßen werden – und wachsen kann.

ARNO STERN sagt, dass seine Rolle als Malleiter am Malort „weder belehrend, noch beurteilend, noch interpretierend“ sei, sondern ausdrücklich „dienend“. Mich fasziniert an dieser Haltung in der Praxis, dass auf diese schlichte aber ungewohnte Art und Weise den Malenden eine konstruktive Hilfestellung für die Selb-ständigkeit (gemalt wird im Stehen) auf dem Weg zu ihrer Kreativität gegeben werden kann.

Beide Erfinder des „Begleiteten Malens“ beschreiben die Aufgabe der Malbegleiterin und des Malbegleiters im Wesentlichen als die einer Hebamme, die während des Entstehungsprozess des Bildes bei dessen Geburt behilflich sein kann. Während ARNO STERN dies vorwiegend „dienend“ tun will, ist es BETTINA EGGERs Anliegen dies nachdrücklich unterstützend zu tun.

Beide Ansätze gefallen mir und beeinflussen meine Haltung als Malbegleiterin.

Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Haltung, wie ARNO STERN sagt, und ich folge in jedem Fall der Einsicht, dass hierin eine große Chance für das Entstehen eines natürlichen Vertrauensverhältnisses zwischen Malendem und Malbegleiter liegt.

BETTINA EGGER unterteilt die Zielsetzung des Malens und dessen Wirkung in verschiedene Kategorien – in therapeutische Wirkung, Lockerung, Erholung, Erweckung der Kreativität, Förderung der persönlichen Ausdrucksfähigkeit, und sie betont, dass jeweils von Anfang an ein Ziel klar benannt werden muss. Je nach Situation des Malenden wird dies von Mal zu Mal ein anderes sein können. Diese Herangehensweise erscheint mir folgerichtig und nachvollziehbar.

Mir ist auch Bettina Eggers Auffassung sehr nahe, die besagt, dass der Prozess ebenso wichtig ist wie das Resultat (das Bild), das am Ende entstanden ist. Das fertige Bild erscheint mir wie das neu geborene Kind, das ohne den Prozess des Gebärens nicht das Licht der Welt erblickt hätte, aber dennoch bereits vorher „da“ war .

Ich sehe ebenso wie BETTINA EGGER eine Möglichkeit von Selbsthilfe durch die Auseinandersetzung mit – bzw. das  „Ausdrücken“ von eigenen Gefühlen durch die „Ausdrucksmalerei“.  Auch ARNO STERN sagt, dass das Malen (in Begleitung) „ein Mittel zur Selbsterfahrung, Erweiterung der eigenen Persönlichkeit und zur Entwicklung der Kreativität“ sein kann. In diesen Punkten folge ich beiden.

Einen wichtigen Schritt möchte ich in Richtung BETTINA EGGER gehen, ein Schritt, den ARNO STERN in dieser Form meines Wissens strikt ablehnt. nämlich als Abschluss einer jeden Maleinheit  in der Gruppe jeweils eine Möglichkeit für wenige Worte  zu den eigenen Malerlebnissen zu bieten. Ich denke, dass die  abschließenden Worte, die die Malenden zu ihren Erlebnissen beim Malen im Nachhinein „von sich geben“ dürfen, ordnend und wesentlich für die jeweilige Person sein können. Allerdings bleibt, wie gesagt, unbedingt zu beachten, dass keine Fragen oder Erklärungen zu den Bildern gestellt und abgegeben werden, wie auch BETTINA EGGER es in ihren eigenen Worten immer wieder betont. Und es bleibt auch grundlegend wichtig, dass nicht über das Bild, sondern nur über sehr wesentliche Geschehnisse im Prozess (des Malens) mit wenigen (!) Worten gesprochen wird.           

An dieser Stelle bleibt  mir gleichzeitig die Mahnung von BETTINA EGGER im Bewusstein, dass der „letzte Schonraum der Seele zerstört wird“, wenn wir das „Schaffen von Bildern“ in das Gebiet der Therapie und Krankheit verschieben...        Für Bettina Egger bedeutet „Seele = Bild“ (Der gemalte Schrei). Insofern möchte ich hier unbedingt betonen, dass das Bild nicht zerredet werden soll und keinerlei Erklärungen in den Raum gestellt werden dürfen. Keine bildliche Erklärung kann uns helfen, die Seele zu beleben oder die Seele zu verstehen, denke ich. Es ist auch hier schlüssig, dass „Dinge gemalt werden, nicht Gefühle“, wie BETTINA EGGER  in ihrem Hauptwerk „Der gemalte Schrei)“ schreibt.

Ein weiterer Hinweis zum Malprozess, über den ich immer wieder nachgedacht habe, fällt mir zu BETTINA EGGER ein. Sie vertritt die Auffassung, dass der Malende „jederzeit an seinem Bild etwas ändern kann“ und sie weist immer wieder darauf hin, dass dieser Aspekt beachtet werden sollte, um Sackgassen oder Erstarrungen am Bild zu lösen, wenn jemand zu hartnäckig beim Malen bemüht ist. Diesen Hinweis sehe ich als konstruktiv und hilfreich an, wenn jemand  nicht von alleine zu einer Lösung (im Bild) kommt und zu lange an einer Stelle verharrt. Das „Tun“ und das „Los-Lassen“ (Beispiel von Bettina Egger: Übermalen einer Schnur, die eine Ente zieht)  kann ein Handeln sein und beim Malen eine wesentliche Veränderung darstellen. Das Übermalen einer störenden Stelle kann für das Wachsen und Erwachsenwerden im Prozess des Malens sehr bedeutungsvoll und wichtig sein, davon bin ich überzeugt.

Insgesamt finde ich also sehr viele Analogien bei den beiden „Er-Findern“ des Begleiteten Malens, die mir zusagen und denen ich folgen möchte. Allerdings liegt mir persönlich die Hinwendung zum AUSDRUCKSMALEN und zum LÖSUNGSORIENTIERTEN MALEN von BETTINA EGGER näher.

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